Ein neue Produktidee oder Dienstleistung nimmt Formen an und plötzlich steht man vor der entscheidenden Frage; passt das neue Angebot zur bestehenden Marke? Oder braucht es gar eine Neue? Sowohl Grossunternehmen wie KMU sehen sich mit dieser Fragestellung während Innovationsprozessen konfrontiert.
Wenn neue Produkte unter der bestehenden Marke angeboten werden, spricht man von einer Markendehnung oder Markenerweiterung. Aus meiner Sicht ist der Ausdruck Markenerweiterung verständlicher. Darum werde ich diesen Begriff in diesem Beitrag fortan mit Markendehnung gleichsetzen.
Chancen der Markenerweiterung
Der wichtigste Vorteil der Markenerweiterung: Tiefere Werbekosten (vor allem in der Startphase). Die bestehende Marke ist bei den relevanten Anspruchs- und Zielgruppen bereits bekannt. Die Verwendung einer etablierten Marke für den Eintritt in neue Produktekategorien ist aus diesem Blickwinkel betrachtet sinnvoll.
Gefahren der Markenerweiterung
Wer sich mit dem neuen Produkt vom Kern der Stammarke und deren Kernkompetenzen entfernt, riskiert eine Verwässerung in der Wahrnehmung der Kunden. Die Konsequenzen sind erst nach einigen Jahren spürbar und oft fatal: Die Kunden wissen nicht mehr, wofür die Marke eigentlich steht. Sie verliert somit eine ihrer wichtigsten Aufgaben – die Schaffung von Orientierung.
Diese Fragen sollten Sie sich stellen
Vielen Wissenschaftler und Praktiker sehen in der Markenerweiterung die Lösung. Andere stehen ihr sehr skeptisch gegenüber, weil aus ihrer Sicht pro Marke nur ein Sachverhalt stehen kann. Den Königsweg gibt es auch bei dieser Problemstellung freilich nicht. Aber Eines steht fest; es lohnt sich im Rahmen einer Analyse die nötigen Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Diese sollte im Minimum Antworten auf die folgenden Fragen liefern:
- Wie stark ist die bestehende Marke im Bezug auf die Bekanntheit und Anziehung?
=> Nur starke Marken eignen sich für eine Erweiterung!
- Werden mit dem neuen Produkt bestehende oder neue Zielgruppen angesprochen? Falls neue Zielgruppen angesprochen werden: Sind für diese die Markenwerte und Kernkompetenzen der Stammmarke ebenfalls relevant
=> Nur wenn die Markenwerte relevant sind, lohnt sich eine Erweiterung!
- Passt das neue Produkt zur Positionierung der Stammmarke und grenzt sich trotzdem genügend von diesem ab?
=> Nur wenn das neue Produkt passt, lohnt sich eine Erweiterung. Trotzdem muss dieses die Chance zu erhalten, sich punktuell von der Stammmarke zu unterscheiden!
- Wie hoch ist das Wachstumspotential des neuen Produkts? Muss für dieses selber demnächst wieder eine Markenerweiterung vorgenommen werden?
=> Wenn das Wachstumspotential sehr hoch ist und daraus ein eigenständiger Bereich entstehen könnte, kann eine neue Marke lohnenswert sein.
Fazit:
Neumarkenstrategien sind immer dann sinnvoll, wenn die Dehnung einer vorhandenen Marke aufgrund mangelnder Übereinstimmung des Markenimages mit der neuen Produktekatergorie nicht möglich ist. Denn weicht man zu stark von den Markenwerten und Kernkompetenzen der Stammmarke ab, führt dies zur Verwässerung und somit einem Identitätsverlust.
Bei einer Markenerweiterung müssen im Sinne einer einheitlichen Wahrnehmung auch die zentralen Designelemente des visuellen Systems der Stammmarke auf das neue Produkt übertragen werden. Gleichzeitig muss dieses aber auch klar von der Stammmarke unterscheidbar sein, um im Markt die nötige Eigenständigkeit in der Positionierung zu erreichen. Eine Herausforderung für die Grafik-Designer, welche es zu meistern gilt.
Eine Markenerweiterung ist somit mit Sicherheit keine Todsünde. Aber sie ist auch nicht zwingend sinnvoll. Analysieren Sie die jeweilige Situation genau.